Zwischen Cliffs of Moher und Common Law

Mein Studienaufenthalt an der University of Limerick
von Daniel Walta (kor.M.)

Meinen beruflichen Alltag prägen komplexe Vertragswerke, internationale Versicherungsprogramme und anspruchsvolle Risiken. Als Mitarbeiterin der Versicherungsabteilung bei der METRO AG beschäftige ich mich seit mehreren Jahren mit den Sparten wie D&O, Straf-Rechtsschutz, Terror und Political-Risk-Versicherungen. Hinzu kamen zuletzt die Transportversicherung und die konzerninterne Captive METRO RE.

Trotz der internationalen Ausrichtung waren meine Berührungspunkte mit dem englischen Versicherungsrecht und den Besonderheiten des Common Law nur oberflächlicher Natur. Um so mehr freute ich mich über die Möglichkeit, im Rahmen des berufsbegleitenden Masterstudiengangs „Versicherungsrecht“ der TH Köln an einer Studienreise nach Irland teilzunehmen und tiefer in das englische Versicherungsrecht und die Besonderheiten des Common Law einzutauchen. An der University of Limerick stand dabei das Modul „Anglo-American Insurance Law” auf dem Programm.

» Die Reise nach Irland war sowohl fachlich als auch persönlich eine besondere Erfahrung. Da ich Mutter einer 13 Monate alten Tochter bin, stellte sich mir im Vorfeld die Frage, wie sich die Studienreise und das Familienleben miteinander vereinbaren lassen. «

Die Lösung war doch überraschend einfach: Aus dem Studienaufenthalt wurde gleichzeitig ein Familienausflug. Mit Unterstützung der TH Köln begleiteten mich mein Mann und meine Tochter kurzerhand nach Limerick.

Auf den ersten Tag unseres Studienaufenthalts fiel ein irischer Bank Holiday. Dieser wurde für einen Kennenlernausflug genutzt, bei dem die komplette 12. Kohorte gemeinsam zu den Cliffs of Moher aufbrach. Es war ein typisch irischer Wettertag – immer wieder Regen, aber auf dem Weg dorthin überraschend gute Sicht. Wir fuhren gut gelaunt los. Doch angekommen, traf uns die Erkenntnis: Das irische Wetter ist wirklich unberechenbar. Von den Klippen war schlicht nichts zu sehen. Dichter Nebel, null Sicht. Da standen wir am Rand einer der beeindruckendsten Küstenlandschaften Europas – und sahen eine weiße Wand. Meine Tochter ließ das vollkommen kalt: Sie schlief. Doch langsam, fast bedächtig gab der Nebel den Blick frei – auf Felsen, die senkrecht ins Meer abfallen, noch leicht in Dunst gehüllt, fast ein bisschen mystisch. Beeindruckend.

Anschließend ging es weiter an der Küste entlang nach Galway. Sanfte grüne Hügel, auf denen Kühe, Schafe und Pferde friedlich grasten, durchzogen von uralten Steinmauern – und am Horizont die schroffe Kante, an der das Land in den Atlantik fällt. In Galway selbst erwartete uns dann ein anderes Bild. Die Kathedrale, eine lebhafte Innenstadt und das typisch irische Treiben in den Gassen und Pubs.

Ab dem zweiten Tag ging es dann fachlich richtig los. Prof. Raymond J. Friel von der University of Limerick führte uns in die Welt des Common Law ein. Was online im Vorfeld trocken wirkte, wurde live zu einer fesselnden Darstellung. Die Geschichte der Versicherung vom Lloyd‘s Coffee House bis zum Insurance Act 2015, das Prinzip des utmost good faith, Warranties, Agency-Recht oder Indemnity. Alles eingebettet in Fälle und Beispiele. Was mich dabei am stärksten traf: Das Common Law kennt keine schützende Hand für denjenigen, der einen schlechten Vertrag unterschrieben hat. Freedom of Contract bedeutet dort: Du hast unterschrieben, also lebe damit. Für jemanden, der mit dem VVG aufgewachsen ist und täglich mit dem Schutzgedanken zugunsten des Versicherungsnehmers arbeitet, war das ein echter Perspektivwechsel.

Am Abend des zweiten Tages empfing uns Prof. Karl Maier mit einer Begrüßungsrede beim Welcome-Evening auf dem Campus der University of Limerick – eine herzliche Runde mit Getränken und lockeren Gesprächen, die den Ton für den Rest der Woche setzte. Da unsere Apartments auf dem Universitätsgelände lagen, waren die Wege kurz.

Jeden Morgen gab es im „The Pavilion” ein gemeinsames Frühstück, bevor der Unterricht begann. Meine Familie war dabei ausdrücklich willkommen – beim Frühstück, beim Welcome-Abend sowie beim Ausflug.

Für meine Arbeit mit internationalen Versicherungsverträgen war die Woche ein echter Gewinn. Wer globale Versicherungsprogramme managt, bewegt sich zwangsläufig in verschiedenen Rechtssystemen.

Der Studienaufenthalt in Limerick hat mir geholfen, das Common Law nicht nur zu kennen – sondern auch zu verstehen, warum es so funktioniert, wie es funktioniert. Eine intensive, lehrreiche Woche, die schneller vorüberging, als mir lieb war.

Ohne die Unterstützung und Flexibilität der TH Köln wäre dieser Aufenthalt in meiner aktuellen Lebensphase kaum realisierbar gewesen.

Zum Studiengang:

Der berufsbegleitende, dreisemestrige Masterstudiengang „Versicherungsrecht“ (LL.M.) bereitet Absolventinnen und Absolventen auf komplexe Aufgabenstellungen und Führungsaufgaben in allen Branchen mit versicherungsrechtlichem Bezug vor. Rechtsanwält:innen erwerben mit dem Abschluss zugleich die theoretischen Voraussetzungen für den Fachanwalt/die Fachanwältin Versicherungsrecht. Im ersten Semester ist im Rahmen des Moduls „Anglo-American Insurance Law” ein einwöchiger Studienaufenthalt an der University of Limerick vorgesehen. Dort analysieren die Studierenden englischsprachige Versicherungsverträge auf Grundlage der englischen Gesetzgebung und Rechtsprechung und vergleichen diese mit der deutschen Rechtslage. Zu den Lehrinhalten zählen unter anderem die Themen „History of Modern Law“, „Private Insurance and the Common Law“ sowie „Insurance and Contract“.

Weitere Informationen zum Studiengang und zum Studienaufenthalt finden Sie unter:
th-koeln.de/versicherungsrecht