Fachkreistagung Sach, BO & IT und Makler
Nachhaltige Innovationen in der Versicherungswirtschaft
Zwischen Kulturwandel, Klimarisiken und ESG als neuem Underwriting-Faktor
von Josef Heiler (kor.M)

Foto: 2026 © ganzobjektiv
Im Rahmen des Jubiläumsjahres zum 75-jährigen Bestehen der Vereinigung bot der gemeinsame fachliche Austausch der Fachkreise BO & IT, Makler und Sach eine ebenso aktuelle wie vielschichtige Bestandsaufnahme:
Wie gelingt nachhaltige Innovation in der Versicherungswirtschaft – organisatorisch, technologisch und kulturell?
Die Bandbreite der Impulse war groß und zeigte eindrucksvoll, dass Nachhaltigkeit längst kein Randthema mehr ist, sondern zunehmend zum strategischen Kern von Versicherern, Maklern und Versicherungsnehmern wird.
Kultur als Fundament nachhaltigen Erfolgs
Den Auftakt machte Uwe Schöpe, Leiter Personal der Zurich Deutschland. Er schilderte den tiefgreifenden kulturellen Wandel, den Zurich in den vergangenen zehn Jahren vollzogen hat – und stellte dabei den klaren Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und nachhaltigem wirtschaftlichen Erfolg heraus.
Kulturwandel sei kein Selbstzweck, sondern zentrale Voraussetzung für Anpassungsfähigkeit, Innovation und Mitarbeiterbindung. Gerade in einer Branche, die sich gleichzeitig mit Digitalisierung, neuen Risikolandschaften und steigenden Nachhaltigkeitsanforderungen konfrontiert sieht, gewinne dieser Aspekt erheblich an Bedeutung.
Krieg, Terror und Deckungslücken: Wenn Details entscheidend sind
Einen bewusst kontrastierenden, aber hochrelevanten Blick auf Risiko und Versicherbarkeit warf Prof. Dr. Günther mit seinem Beitrag zu Kriegausschlüssen und Terrorrisiken. Er verdeutlichte, dass im Schadenfall oft nicht die großen Prinzipien, sondern kleinste vertragliche Details entscheidend sind.
Beispielsweise stellte sich die Frage, ob Betriebsunterbrechungen ohne unmittelbaren Sachsubstanzschaden gedeckt sind – oder ob ein großflächiger Stromausfall infolge eines Brandes, etwa im Januar 2026 in Berlin, als Terroranschlag im Sinne der GDV-Definition zu werten wäre. Die Diskussion machte deutlich: Die steigende Komplexität von Schadenbildern erfordert ein neues Maß an Präzision sowohl im Underwriting als auch in der Beratung.
Neue Anforderungen an Führung in komplexen Zeiten
Johanna Striowsky von adesso business consulting knüpfte daran an, indem sie die veränderten Anforderungen an Führungskräfte in einer zunehmend komplexen Welt beleuchtete. Klassische Steuerungslogiken stoßen an ihre Grenzen, wenn Unsicherheit, Interdependenzen und Geschwindigkeit zunehmen.
Gefragt seien heute vor allem Empathie, Netzwerken, psychologische Sicherheit und ein echtes Enabling der Mitarbeitenden. Führung werde damit stärker zur sozialen Kompetenz – ein nicht zu unterschätzender Faktor für Innovationsfähigkeit und Resilienz von Organisationen.
Technologie als Enabler – nicht als Selbstzweck
Mit einem sehr praxisnahen Beispiel stellten Love Redin, Gründer von Vantel, und Felix Naeve vor, wie Technologie konkret zur Effizienzsteigerung beitragen kann. Die von Vantel entwickelte Software zielt darauf ab, Makler und Underwriter von zeitintensiven Routineaufgaben zu entlasten.
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