„Sankt“ Georg der Retter

Von Rudolf A. P. Slate (V-E.M.)

Vorab ein paar Erklärungen

Von den vier guten Firmenrestaurants, in denen ich meinen Hunger stillen konnte, lag das im Gerling-Konzern auf Platz 1. Dies lag vor allen Dingen am Küchenchef. Der hatte immer wieder Großes zu leisten. Hier drei Beispiele:

Fall 1: Der königlich-schwedische Generalkonsul Dr. Hans Gerling hatte Hunderte von illustren Gästen zum Wochenendfest geladen. Dazu war das geräumige Foyer des Hochhauses am Gereonshof in einen Kirmesplatz mit zahlreichen Buden dekoriert worden, und im Restaurant gab es vieles vom Feinsten.

Fall 2: „Poularde á la grecque mit Salatherzen“ gab es als Hauptgericht kurz vor Weihnachten 1956 für zwanzig junge Griechen in Anwesenheit von ebenso vielen Lehrlingen als Tischpartner. Der Grund: Der Gerling-Konzern hatte die Patenschaft für die Jugendlichen übernommen, die als Wiedergutmachung zum Erlernen des gewünschten Berufs nach Deutschland geholt worden waren. Ihre Väter waren im Heimatort aus Rache für den Tod eines deutschen Soldaten von der SS ermordet worden. Schirmherrin war Irene Gerling, die Gemahlin des Konzernchefs, Organisator Abteilungsdirektor Jean Kolter, in seiner Freizeit Präsident der Karnevalsgesellschaft „Schäl Sick“.

Fall 3: Für ehemalige Mitarbeiter in der DDR ließ der Küchenchef Geschenkpakete im erlaubten Umfang packen. Weil der Konzern aber nicht als Absender fungieren durfte, übernahmen Lehrlinge „offiziell“ diese Aufgabe mit ihrer Heimatadresse und schrieben den Brief dazu. Der Nussknacker aus dem Erzgebirge, den ich als Dank dafür erhielt, nimmt in der Adventszeit bei mir zu Hause immer noch einen Ehrenplatz ein.

Die Gerling-Stipendiaten (fünf in meinem Lehrgang) erhielten während des Studiums ihr Gehalt ebenso weiter wie den vollen Jahresurlaub (Bedingung wegen der verlockenden Stellenangebote am Schwarzen Brett in der DVA: Verpflichtung für zwei Jahre). Außerdem durften sie am Mittagstisch im Konzern teilnehmen.

Liebe Leser*innen, wenn ihr euch fragt, was dieser Nachruf auf eine längst der Geschichte angehörende Betriebsküche soll, so ist dies ein um Verständnis bittender Text zu den folgenden Ausführungen nach dem frei an Bertold Brecht angelehnten Motto „Erst kommt das Fressen und dann kommt die B-W-L“.

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