Wortkunst in neuer Form:
Rheinkiesel & Flussperlen
von Nicole Gordine

Das Gesicht auf dem Foto kennt fast jedes Mitglied. Seit beinahe drei Jahrzehnten bringt uns Gerd von Ullisperger, Ehrenmitglied der VVB, als Autor mit seinen Glossen auf so mancher Seite unseres Magazins zum Schmunzeln. Nun zeigt er eine neue Facette seiner Sprachkunst: Mit dem Gedichtband „Rheinkiesel & Flussperlen“ legt er sein erstes umfangreiches lyrisches Werk vor.
Wer seine Texte kennt, weiß um seine Vorliebe für sprachliche Feinheiten. Schon in Beiträgen wie „Modewörter – Wörtermode“, „Stellenanzeige goes future?“ oder „Der verschwundene Bindestrich“ hat er die Wandlungen der deutschen Sprache aufmerksam verfolgt – kritisch, humorvoll und stets mit einem Augenzwinkern. Dass er über die Jahre auch Gedichte und Rätselverse verfasst hat, überrascht Kenner kaum, denn für Ullisperger ist Sprache mehr als Mittel zum Zweck: Sie ist Spielfeld, Beobachtungsinstrument und zugleich Ort der Kreativität.
Sein Gedichtband, erschienen im Grafikhaus, umfasst 148 gebundene Seiten. Darin schildert er „allerhand Merkwürdiges“, berichtet von Menschlich-Allzumenschlichem, nimmt Redewendungen aufs Korn und testet das Sprachgefühl seiner Leserinnen und Leser mit verschmitzten Rätselversen. Zwischen fast zeitlosen Beobachtungen und beinahe tagesaktuellen Anspielungen entfaltet sich ein Werk, das sowohl zum Nachdenken als auch zum herzhaften Lachen einlädt.
Wie Dr. Kerstin Wolff in ihrer Einführung schreibt, ist Ullisperger ein „Akrobat des Wortes – und zwar ein sehr gelenkiger“. Er versteht es, Gereimtes und Ungereimtes, Eindeutiges und Zweideutiges gleichermaßen zu präsentieren und uns dabei fast nebenbei zur Achtsamkeit im Umgang mit Sprache anzuregen. Sein Witz ist mal offen und direkt, mal feinsinnig und hintergründig, aber stets unterhaltsam.
Die offizielle Buchvorstellung fand am 7. Oktober in der Öffentlichen Bibliothek der Stadt Kerpen im Schulzentrum Horrem/Sindorf statt. Dort stellte Ullisperger seine Gedichte persönlich vor.
Zum Einstimmen hier eine Kostprobe aus dem Buch:
Der Rhein und ich
Zwar bin ich nicht am Rhein geboren,
doch weit hab ich mich nie entfernt.
Am Rhein hab sprechen ich gelernt
und hab am Rhein mein Herz verloren.
Das Rheingold hab ich nicht gefunden;
es wurde wohl zu tief versenkt.
Was mir der Rhein jedoch geschenkt,
ist hier gedruckt und fest gebunden:
Rheinkiesel neben schlichten Steinen
und eine Perle hier und dort.
Vom Rhein da geh ich nimmer fort,
denn einen besseren Ort gibts keinen.


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