Miss Pac-Man, VUCA und die Rückkehr der Präzision
Warum die klassische Versicherung an ihre Grenzen kommt und Captives die neue Ordnung prägen
von Prof. Dr. Marcus Schmalbach


Manchmal erklären Arcade-Spiele die Wirklichkeit besser als jede Risikomatrix. Wer sich an die frühen Pac-Man-Versionen erinnert, weiß noch, wie berechenbar die kleinen Geister damals waren. Wer ihre festgelegten Bewegungsmuster einmal verstanden hatte, spielte im Grunde nur noch Erfahrungswissen ab. Doch irgendwann kam Miss Pac-Man – und mit ihr eine neue Logik. Plötzlich verhielten sich die Geister unvorhersehbar. Sie reagierten dynamisch, brachen aus ihren Bahnen aus, wechselten Richtungen, als wollten sie beweisen, dass Muster eben nicht für die Ewigkeit gemacht sind. Es war derselbe Bildschirm, aber eine völlig neue Welt.
Genau diesen Sprung erlebt die Versicherungswirtschaft heute. Die großen Risikoüberschriften sind dieselben geblieben – Konjunktur, Lieferketten, Pandemien, Klima, geopolitische Verwerfungen. Doch die Muster, in denen sie sich bewegen, haben sich aufgelöst. Die alte Gewissheit, dass Vergangenheit und Gegenwart sich zumindest ähnlich verhalten, trägt nicht mehr. Wir leben in einer Welt, in der Risiken einander verstärken, überlagern und rückkoppeln. Eine Welt, in der nicht die Volatilität das Problem ist, sondern die Vernetzung. Und damit eine Welt, in der klassische Versicherungsmodelle an Grenzen stoßen, die lange Zeit unsichtbar waren.
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