75 Jahre VVB:

Jubiläum, Dialog und ein Blick in die Zukunft der Versicherungsbranche

Die Redaktion

Mit einem besonderen Auftakt begann der offizielle Teil der Mitgliederversammlung anlässlich des 75-jährigen Bestehens der VVB. Im geschichtsträchtigen Haus des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln kamen Mitglieder und Mitgliederinnen sowie geladene Gäste zusammen, um nicht nur auf die Geschichte des Verbandes zu blicken, sondern vor allem auf die Themen, die die Versicherungswirtschaft heute und in Zukunft bewegen.

Den festlichen Rahmen eröffnete Dr.  Norbert Rollinger, Präsident des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. und Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung. In seiner Begrüßungsrede schlug er den Bogen von den aktuellen Herausforderungen der Branche bis hin zu den großen Zukunftsfragen rund um Digitalisierung, künstliche Intelligenz (KI) und den Wandel der Arbeitswelt.

Besonders deutlich wurde Rollinger beim Thema KI. Die Sorge, dass KI zwangsläufig Arbeitsplätze vernichte, hält er für unbegründet. Wandel habe es immer gegeben, betonte er. Arbeitsplätze und Tätigkeiten hätten sich im Laufe der Zeit verändert, seien dadurch aber nicht einfach verschwunden. Entscheidend sei, neue Technologien nicht reflexartig als Bedrohung zu begreifen, sondern als Chance für Weiterentwicklung, Effizienz und neue Formen der Zusammenarbeit

Dr. Norbert Rollinger

» Angst vor KI ist ein schlechter Ratgeber. «

Damit war der thematische Rahmen für eine Podiumsdiskussion gesetzt, die inhaltlich anspruchsvoll, lebendig und immer wieder auch humorvoll verlief. Moderiert wurde die Runde von Christian Czempiel-Mentrak, dem Vorstandsvorsitzenden der VVB. Auf dem Podium diskutierten Dr.  Norbert Rollinger, Michael H. Heinz, Präsident des Bundesverbandes Deutscher Versicherungskaufleute e. V. (BVK), Michael Walter, Präsident des VGA Bundesverband der Assekuranzführungskräfte e. V., sowie Prof. Dr. Heinrich Schradin von der Universität zu Köln und Prof. Dr. Torsten Oletzky vom ivw der TH Köln.

Im Mittelpunkt standen zwei Themenkomplexe, die die Branche derzeit besonders intensiv beschäftigen: die Zukunft der Altersvorsorge und der Einfluss von KI auf Versicherungsvertrieb, Beratung, Prozesse und Arbeitsplätze.

Gerade bei der Altersvorsorge wurde deutlich, wie groß der Handlungsbedarf bleibt. Zwischen demografischem Wandel, regulatorischen Anforderungen und veränderten Kundenerwartungen braucht es tragfähige Antworten, die sowohl politisch als auch unternehmerisch und vertrieblich funktionieren. Die Diskussion zeigte: Altersvorsorge bleibt nicht nur ein Produkt- oder Beratungsthema, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, bei der Vermittlerinnen und Vermittler, Versicherer, Verbände und Wissenschaft gemeinsam gefordert sind.

Ebenso intensiv wurde über KI gesprochen. Ist sie vor allem Effizienzbooster, der Prozesse vereinfacht, Mitarbeitende entlastet und Kundinnen und Kunden schneller zu passenden Lösungen führt, oder birgt sie Risiken für Beratungsqualität, Verantwortung und Vertrauen? Die Podiumsgäste machten deutlich, dass KI weder Heilsversprechen noch Schreckgespenst ist. Vielmehr kommt es darauf an, wie sie eingesetzt, kontrolliert und in bestehende Arbeitsprozesse integriert wird.
Einen besonders anschaulichen Blick aus der Wissenschaft brachte Prof. Dr. Heinrich Schradin ein. Er berichtete, wie sich der Umgang mit KI bereits im Hochschulalltag verändert hat. Wenn Studierende Texte, Berichte oder Recherchen mit Unterstützung von KI erstellen, verschiebt sich die entscheidende Frage: Nicht mehr allein der Weg zum Ergebnis steht im Mittelpunkt, sondern ob die Studierenden Inhalte wirklich verstanden haben und anwenden können.

Mündliche Prüfungen seien dadurch gewissermaßen zum entscheidenden „Check“ geworden. Dort zeige sich, ob Wissen tatsächlich vorhanden oder ob lediglich ein formal überzeugender Text entstanden ist. Für Lehrkräfte und Fakultäten bedeute das allerdings auch zusätzlichen Aufwand.

Prof. Dr. Heinrich Schradin

» Entscheidend ist nicht allein, ob KI bei Texten oder Recherchen unterstützt hat. Entscheidend ist, ob die Studierenden die Materie verstanden haben und ihr Wissen anwenden können. «

Auch im Versicherungsalltag dürfte diese Frage künftig zentral werden. KI kann unterstützen, strukturieren, vorbereiten und beschleunigen. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch Urteilsvermögen, Erfahrung und Verantwortung. Gerade in der Versicherungsberatung, in der Vertrauen und individuelle Lebenssituationen eine große Rolle spielen, bleibt der Mensch ein entscheidender Faktor.

Zum Abschluss der Panelrunde stellte Christian Czempiel-Mentrak eine bewusst persönliche Frage: Wie nutzen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer KI eigentlich selbst im Alltag?

Die wohl heiterste Antwort kam von Michael H. Heinz. Er nahm die Frage mit Humor und erklärte sinngemäß, er komme mit der natürlichen Intelligenz schon kaum hinterher, ganz zu schweigen von der künstlichen. Gleichzeitig räumte er ein, dass seine Assistentinnen und Assistenten KI selbstverständlich bereits für ihn nutzten.

v.l.n.r.: Michael H. Heinz, Michael Walter, Christian Czempiel-Mentrak, Prof. Dr. Heinrich Schradin, Dr.  Norbert Rollinger, Prof. Dr. Torsten Oletzky

Michael H. Heinz

» Ich komme ja schon mit der natürlichen Intelligenz kaum klar – ganz zu schweigen von der künstlichen. «

Dieser Moment stand stellvertretend für den Charakter der gesamten Diskussion: ernst in der Sache, offen im Austausch und zugleich angenehm locker im Ton. Die Runde war engagiert, teils kontrovers, aber stets konstruktiv. Gerade diese Mischung machte den Auftakt der Jubiläumsveranstaltung zu einem besonderen Erlebnis.
Auch die Resonanz im Nachgang fiel entsprechend positiv aus. Auf LinkedIn würdigten Teilnehmende die Veranstaltung und insbesondere die Podiumsdiskussion als gelungenen Höhepunkt des Jubiläums.

Ein besonderer Dank gilt Dr. Norbert Rollinger für seine Begrüßung und die inhaltlichen Impulse sowie allen Teilnehmenden der Podiumsdiskussion für den offenen Austausch. Ebenso dankt die VVB der Markel Insurance SE, insbesondere Frederik Wulff, Dr. Ulf Spessert, LLM, MBA, und Danijel Basic, für die großzügige Unterstützung als Gastgeber.

So wurde der offizielle Teil der Mitgliederversammlung nicht nur zu einem würdigen Auftakt des 75-jährigen Jubiläums, sondern auch zu einem starken Signal: Die VVB blickt auf eine lange Geschichte zurück, bleibt aber fest im Dialog mit den Zukunftsthemen der Branche. Zwischen Tradition, Verantwortung und technologischem Wandel zeigte sich einmal mehr, wie wichtig persönlicher Austausch, kritische Diskussion und gemeinsames Lernen für die Versicherungswirtschaft bleiben.

LinkedIn Kommentar

Birthe Goj (92)

„Danke für die sehr spannende Begrüßungsrede, Dr. Norbert Rollinger, und die wertvolle Podiumsdiskussion, bei der auch trotz der herausfordernden Themen viel gelacht wurde. Eine für mich rundum sehr gelungene Veranstaltung. Herzlichen Dank an die Organisatoren aus Köln und dem Vorstand der VVB.“

LinkedIn Kommentar

Petra Küper (F/)

„Was für eine gelungene Veranstaltung! Besser hätte man das 75-jährige Jubiläum des VVB nicht gestalten können. Tausend Dank an alle, die daran mitgewirkt haben! Und die Podiumsdiskussion zur Mitgliederversammlung war nochmals ein großes Highlight: keinen Moment langweilig, inhaltlich stark und mit vielen Take-aways für die Zuhörer.“